Kunsttherapie

 

 

 " ... das Schöne an dieser Arbeit ist, dass sie so körperlich ist. Da ist soviel Überlieferung drin, damit sind wir schon geboren. Die Hände bewegen sich von ganz alleine, ohne das man es ihnen sagt. Niemand sagt dir wie du´s machen sollst - es kommt ganz von selber."

 

Frau E. 94, Klientin

 

 

Es gibt unterschiedliche Richtungen und Ansätze in der Kunsttherapie, allen gemeinsam ist, dass sie von einer schöpferischen Kraft im Menschen ausgehen und ganzheitlich, sowie Ressourcen und Prozess orientiert sind. Kunsttherapie ist nicht allein Therapie in der auch gezeichnet, gemalt oder geformt wird, Kunsttherapie baut darauf auf, dass jeder Mensch ein schöpferisches Wesen ist. Der Mensch als kreatives Wesen ist Kanal für die schöpferische Kraft, unabhängig davon ob dieser Mensch beruflich künstlerisch tätig ist oder nicht. Gestaltend tätig ist jeder Mensch. Wir gestalten unsere Beziehungen, unser Umfeld, unser Leben, unser `Zu Hause´ im weitesten Sinne. Kunsttherapie kann Menschen dabei unterstützen ihre ureigenen kreativen Fähigkeiten zu aktivieren. Kunsttherapie kann das Vertrauen und das Gefühl sein Leben gestalten zu können, fördern. Kunsttherapie kann sinnstiftend wirken. Kunsttherapeutische Prozesse basieren auf der Annahme, dass das Leben an und für sich schöpferisch ist, was nicht heißt, dass es immer schön und angenehm ist. Die Kreativität der Natur liegt mitunter im Werden und Vergehen. Jedem Gestaltungsprozess liegt dieses Stirb und Werde zugrunde. Kreativität ist eine natürliche Kraft und als solche unendlich und unfassbar in ihrer Vielfältigkeit. Selbst als der Mensch in Höhlen lebte, gestaltete er seinen Lebensraum, sowie seine Beziehung zu sich selbst, als auch seine Beziehung zu einem übergeordnetem Ganzen. Noch bevor Worte zur Verfügung standen, kommunizierte der Mensch durch Bilder. Besonders in Wandlungs- und Krisensituationen bleibt dem Menschen letztlich nichts, als das Unfassbare schöpferisch zu fassen. Kunsttherapeutische Begleitung begleitet den schöpferischen Ausdruck, sowie die Einsichtnahme in Gestaltungs- und Selbstgestaltungsprozesse. Gestalten ist eine ganzheitliche Erfahrung. Es ist Ausdruck dessen, was sich wandeln möchte und der kreative Prozess ist der Weg dahin.

 

Joseph Beuys Überzeugung nach ist jeder Mensch ein Künstler. Er hat mit dem >erweiterten Kunstbegriff< und der >sozialen Plastik< einen anthropologischen Kunstbegriff geprägt. Demzufolge ist jeder Mensch durch die schöpferische Ausgestaltung seiner seelisch-geistigen Leistungen und Inhalte auf gesellschaftlicher Ebene bildend, formend und verändernd wirksam. Kreativität ist ein Prinzip, welches dem Leben an und für sich und jedem Menschen innewohnt und uns miteinander verbindet. „Der Begriff Kunst muss auf die menschliche Art angewendet werden.“ Kreativität ist Wandel, „die alte Form ist erstarrt und muss in eine lebendige, durchpulste Gestalt, die Leben, Seele und Geist fördert, umgewandelt werden. Das ist der erweiterte Kunstbegriff […] Für Beuys ist das keine Theorie, sondern eine Grundformel des Seins, die alles verändert.[...] Kreativität ist für ihn Freiheitswissenschaft. Alles menschliche Wissen stammt aus der Kunst, der Wissenschaftsbegriff hat sich aus dem Kreativen entwickelt.“ (Stachelhaus, 1998, 82) Im künstlerischen Prozess, kann sich während des Gestaltens, ein Gefühl von schöpferischem Fluß einstellen.(vgl.20.Csíkszentmihályi 2010,11) Der Flow Zustand ist ein Erleben tiefer Konzentration, ein Aufgehen indem was man tut, was zu einem Gefühl von Eins Sein, also Verbundenheit und in Folge zu Zufriedenheit führt. Dieser Zustand ist vergleichbar mit Gefühlen des Aufgehoben Seins in spirituellen Praktiken. Das Erleben von Flow während des Gestaltens kann Gefühle von Verbundenheit (mit sich selbst und anderen) fördern, sowie (Selbst-) Annahme und (Re-) Integration bewirken.

 

 

 

Stachelhaus Heiner (1998) Joseph Beuys, München, Econ & List Verlag

 

Csíkszentmihályi Mihály (2010) Flow – Das Geheimnis des Glücks, 15. Auflage, Stuttgart, Klett – Cotta Verlag